parents holding twins
Kindererziehung

Lasten verteilen: gemeinsamer Elternurlaub und Familienleben mit dem Baby

5 Minuten

Mit den unterschiedlichen Aufgaben und den damit verbundenen Belastungen zurechtzukommen, die euch als Eltern erwarten, ist oft kein Zuckerschlecken. Vor allem, weil die Belastung ziemlich überwältigend ist – Haushalt, Rechnungen, Jobs, Kinderbetreuung, Kochen – die Liste ließe sich schier endlos fortführen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass es sich um ein Ding der Unmöglichkeit handelt. Mit offener Kommunikation und dem gemeinsamen Ziehen am selben Strang kann auch das chaotischste Paar toll zusammenarbeiten.

Um euch ein wenig unter die Arme zu greifen, haben wir uns mit anderen Eltern darüber unterhalten, welche Hindernisse ihnen auf ihrer Elternjungfernfahrt begegneten – und wie sie diese gemeinsam in den Griff bekommen konnten.

Den gesunden Mittelweg finden

„Mein Mann Mark und ich zogen kurz vor der Geburt unseres Babys von einer kleinen Wohnung mit einem Schlafzimmer in ein Haus mit drei Schlafzimmern um. Diese doppelte Umstellung war alles andere als leicht“, erinnert sich Laura, Mutter von Elodie, drei Jahre alt. „Ich glaube, dass Elodie schon 18 Monate war, als wir endlich so weit waren, dass wir uns um den Haushalt und ein Kind kümmern konnten, ohne uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen!“

„Gerade im ersten Jahr gab es immer wieder Zoff, weil ich das Gefühl hatte, dass Mark seinen Teil nicht wirklich stemmte und vielleicht davon ausging, dass ich mich ja bequem um den ganzen Haushaltskram kümmern könnte, weil ich ja sowieso die ganze Zeit mit dem Baby zuhause war. Im Nachhinein betrachtet war das ziemlich unfair, denn wenn man mit seinem ersten Baby zuhause ist, wird selbst der Abwasch zur Lebensaufgabe. Wenn er dann nach Hause kam und sein gebrauchtes Geschirr einfach nur in die Spüle stellte, gingen mir manchmal die Pferde durch. Obendrein war ich immer wieder eine Zeit lang zur Bewegungslosigkeit verurteilt – Stillen und derlei. In solchen Momenten bemerkt man erst, wie viel im Haus eigentlich zu tun ist!

Mark musste sich langsam ein bisschen mehr ins Spiel bringen und als er dann endlich fragte, was denn noch alles getan werden müsse, als er von der Arbeit kam, war ich richtig glücklich.

Als ich wieder zur Arbeit ging, glichen sich die Dinge noch ein bisschen mehr aus und heute sind wir beide einfach in unsere 'Jobs' reingewachsen, ohne das großartig zu bemerken. Ich bringe Elodie ins Bett, während er kocht. Ich erledige den Abwasch, wenn er mit dem Hund rausgeht und so weiter. Was lange währt, wird endlich gut.“

Festlegen, wer was erledigt

„Wir sind beide berufstätig und arbeiten beide vier Tage pro Woche“, erklärt John, Vater des kleinen Billy, 18 Monate alt. „Sobald wir wussten, dass wir Eltern werden würden, bestand ich darauf, dass wir uns zusammensetzen und in Ruhe darüber reden, wem welche Aufgabe zukommt. Das ging so weit, dass wir sogar festlegten, wer welche Rechnung zu bezahlen hatte! Nun mag so mancher denken, dass solche Kleinigkeiten wie Haushalt in einer stabilen Beziehung kaum eine große Sache wären. Tatsächlich aber kenne ich eine Menge Paare, die wegen solchen Dingen in ziemlich unsicheres Fahrwasser gerieten; Spannungen waren regelrecht vorprogrammiert.

Letztendlich war das alles gar nicht so schwierig, da es bei uns beiden Dinge gab, die uns nichts ausmachten. (Ich zum Beispiel koche ganz gerne, während Jason mit Freude stapelweise mit Wäsche jongliert). Und auch wenn unsere feste Aufgabenverteilung ein bisschen spießig wirken mag, bei uns hat es wunderbar geklappt.“

Ganz gleich, wie Aufgaben auch aufgeteilt werden – Ihr seid nicht allein…

Geteilte Elternzeit ist eine gute Möglichkeit, wirklich jede Last zu teilen …

„Mein Mann und ich hatten das Glück, versetzt Elternzeit nehmen zu können. In den ersten sechs Monaten kümmerte ich mich um das Wichtigste und Gareth war in den nächsten drei Monaten an die Reihe“, erzählt Alicia, Mutter des 2-jährigen Mason. „Ich arbeite von zuhause aus. Das war schon sehr praktisch, da ich unseren Kleinen immer noch selbst stillen und ständig bei ihm sein konnte, als Gareth sich in seine Pflichten stürzte.

Am Ende erwies sich das alles aber doch als deutlich schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Gareth bat mich ständig darum, ihm bei solchen Dingen wie Einräumen des Autos unter die Arme zu greifen oder einfach nur auf Mason aufzupassen, während er unter der Dusche stand. Da wurde ich richtig neidisch, da mir so etwas in den ersten sechs Monaten schlicht nicht möglich war!

Ich fing dann auch an, Gareth ständig zu maßregeln, was im Nachhinein betrachtet vielleicht auch nicht gerade fair war. Am Ende vom Lied bekam er wohl das Gefühl, dass ich alles mit Argusaugen überwachte, was er als 'Hauptversorger' alles falsch machte. Dabei dürfte er sich wohl auch nicht allzu wohl gefühlt haben.

Trotzdem würde ich alles auf jeden Fall noch einmal so machen, zumindest den Teil mit dem gemeinsamen Elternurlaub. So konnte Gareth fast komplett nachvollziehen, was es wirklich bedeutet, sich um ein Baby zu kümmern, und der Freundschaft zwischen Vater und Sohn hat es bestimmt auch gutgetan. Allerdings dürfte es wohl nicht so wichtig sein, wie lange man eine 100-prozentige Elternrolle ausfüllt. Sich in den ersten paar Monaten um ein Baby zu kümmern, verändert das Leben und zeigt einem erst, was man unter Herausforderungen versteht und welche Belohnungen es dafür gibt.

Versetzte Elternzeit ist aber eher selten möglich und ein Baby mit einem ganz normalen Arbeitstag unter den Hut zu bringen alles andere als einfach.

„Als ich nach meinem Mutterschaftsurlaub wieder anfing zu arbeiten, hatte ich das unbestimmte Gefühl, die einzige Mutter auf der ganzen Welt zu sein, die immer noch fünf Tage pro Woche arbeiten geht. Teilzeitarbeit war aber finanziell einfach nicht drin“, erklärt Lucie, Mutter des 3-jährigen Leo.

„Anfangs war es der reine Horror und mich plagte die ganze Zeit über das schlechte Gewissen. Ich war mit meinen Gedanken nicht wirklich bei der Arbeit und raste anschließend nach Hause, um Leo so schnell wie möglich wiederzusehen. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ich keinen meiner beiden 'Jobs' – Mutter und Angestellte – besonders gut erledigte. Zum Glück entwickelten sich die Dinge immer besser. Der Kleine liebt die Kinderbetreuung, das ist schon mal eine große Hilfe, und als ich mich wieder so richtig eingearbeitet hatte, legte ich auch an Selbstvertrauen zu, statt mir die ganze Zeit über Gedanken über meine Leistungen zu machen. Ich arbeite immer noch in Vollzeit, konnte mir aber ein bisschen Flexibilität aushandeln, damit ich mehr Zeit mit Leo verbringen kann. Obendrein erwarte ich in den nächsten paar Monaten meinen zweiten Sohn und freue mich richtig auf viel Zeit zuhause mit meiner Familie.“

Ganz gleich, was du und dein Partner sich auch vornehmen: Rechne immer mit reichlich Höhen und Tiefen, bis ihr den passenden Rhythmus findet. Denk immer daran: Wenn eure ganz persönliche Methode auch unkonventionell erscheinen mag – solange es funktioniert, ist es schon richtig für dich und deine Familie.